Aus dem Unterricht: Exkursion ins rheinische Braunkohlerevier

17.06.2025 16:31

Tagebau, verlassene Orte und Kraftwerk: Dorthin führte die Erdkunde-Exkursion der EF zum Thema „Fossile Energieträger – endliche Rohstoffe". Mit Referaten und kreativen Unterrichtsstunden hatten sich die Schüler:innen auf den Tag vorbereitet.

 

 

Und so ging es am Samstag, dem 14. Juni, pünktlich um 8:00 Uhr am Busbahnhof Meinerzhagen bei schönem, sonnigem Wetter los.

 

 

Mit zwei Reisebussen fuhren wir zu unserem ersten Standpunkt: dem Tagebau Hambach. Dieser Tagebau ist der größte im rheinischen Braunkohlerevier und sogar einer der größten Braunkohlegruben Europas. Er ist für die Stromerzeugung in den Kraftwerken der RWE von Bedeutung. Er wurde im Jahre 1978 begonnen und hat eine Tiefe von 411 Metern erreicht. Im angrenzenden Wald, dem Hambacher Forst, kam es daher schon zu vielen Aktionen und Protesten, bei denen sich unter anderem Aktivisten an die Bäume gekettet haben, um die Rodung des Waldes zu stoppen. Seit 2018 ist klar, dass der Hambacher Forst nicht mehr abgeholzt wird.

 

 

Unser nächster Stopp war der Aussichtspunkt Jackerath Tagebau Garzweiler Skywalk, der spektakuläre Einblicke in den Tagebau Garzweiler bietet. Hier soll ab 2036 Wasser aus dem Rhein entnommen und über eine Pipeline geleitet werden, um den ca. 130 Meter tiefen Restsee zu fluten, welcher von einem neuen Wohngebiet umgeben werden soll. Die Nutzung steht noch offen, im Raum stehen aber der Tourismus, Wassersport oder eventuell eine Trinkwasserquelle. Auch wäre der Restsee ein potenzielles Biotop, jedoch mit vielen Herausforderungen. Sicher ist, dass für jedes Konzept eine sichere Uferstabilität, Überwachung sowie neue Verkehrs- und Tourismuskonzepte erforderlich sind.

 

 

Weiter fuhren wir durch Immerath (neu) zu der Ortsgemeinde Keyenberg. Immerath (neu) war voller Neubauten, da das alte Immerath vollständig abgerissen wurde und alles verlegt werden musste. Dies war für die Bewohner ein schweres und emotionales Ereignis: Ihre Häuser, Bildungsreinrichtungen und auch Kirchen wurden abgerissen. Fast hätte Keyenberg dasselbe Schicksale erlitten, doch RWE hat aufgrund des Kohleausstiegs in Deutschland den Abriss nicht mehr durchgeführt. Da waren leider die meisten Einwohner allerdings schon umgesiedelt. Der Großteil der Häuser war verlassen und die Straßen wie leergefegt. Trotzdem leben in Keyenberg heute noch einige Einwohner, die ihre Heimat nicht verlassen wollten. Somit fanden wir eine kleine Bäckerei, bei der wir uns mit leckeren Teilchen stärken konnten.

 

 

Wir liefen weiter durch den größtenteils verlassenen Ort und kamen auch an dem Friedhof vorbei, an dem die meisten Gräber schon in das neue Keyenberg umgesiedelt wurden. Es war ziemlich ungewohnt, einen so verlassenen Ort zu besuchen, wissend, dass die meisten Menschen ihre Heimat voller Leben und Gemeinschaft verlassen mussten. Auch trafen wir auf ehemalige Einwohner. Diese erzählten, dass sie nicht mehr zurückkommen würden, da sie im neuen Keyenberg Neubauunterkünfte erhielten und ihre ehemaligen Wohnhäuser zu alt, heruntergekommen und unbewohnbar sind, zumal der Aufwand und die Kosten für die Renovierung zu groß wären.

 

Zu guter Letzt fuhren wir zum RWE-Kraftwerk Neurath. Es besteht aus verschiedenen Blöcken und ist aktiv im Betrieb, auch wenn einige im Ruhestand sind. Das Kraftwerk Neurath bezieht seine Kohle aus dem rheinischen Braunkohlerevier, insbesondere aus dem zuvor besuchten Tagebau Garzweiler. Es dient zur Grundlaststromerzeugung und steht aufgrund seiner Größe und CO₂-Emissionen oft im Fokus der Diskussionen um Klimaschutz und Energiewende.

 

 

Um 15:00 Uhr waren wir wieder zurück in Meinerzhagen – mit viel neu gelerntem Wissen über verlassene Orte, Braunkohle, Tagebau und Zukunftspläne.

 

Text: Adelina Bojahr (EF)

Fotos: Carla Nesselrath (EF)

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