„Schau, die Blicke!“: Kunst-GKs erleben Gegenwartskunst in Siegen

18.12.2024 19:29

Augen schauen uns aus Bildern heraus an, wir blicken zurück: Zusammen mit Frau Hilbrandt und Frau Spiller waren die Schüler:innen der Kunst-GKs am Samstag, dem 7. Dezember, zum ersten Mal nicht die Betrachter von Kunstwerken, sondern die Betrachteten …

 

 

 

Kunst spricht zu uns in Blicken. Sie spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Emotionen, Machtverhältnisse und soziale Konstruktionen herzustellen oder zu hinterfragen.

 

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Wie also würden sich die Schüler:innen fühlen, wenn nun jeder ihrer Schritte beobachtet würde? Im Workshop Big Brother is watching you bekamen sie in einem mit Portrait-Fotografien gefüllten Raum die Aufgabe, sich zunächst einzeln, dann in kleinen Gruppen wild hin und her zu bewegen. Dabei beobachtete jeder den anderen und es wurde nur durch Blicke kommuniziert.

 

 

Sehen und Gesehen-Werden bedingen einander: Wenn wir etwas erblicken, werden auch wir angeschaut und berührt. In einer Welt, die in weiten Teilen auf dem Sehsinn ausgerichtet ist – ebenso wie auch in der künstlerischen Praxis –, steht das Sehen im Vordergrund: Im Blick ordnen und fixieren sich die Dinge.

 

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Doch wie würde man zeichnen, ohne zu sehen? Nun bekamen die Schüler:innen Stift, Papier, und einen kleinen Beutel, den sie nicht öffnen, sondern dessen Inhalt sie nur ertasten durften. Durch Assoziationen und Erinnerungen waren sie in der Lage, das Gefühlte, ohne es überhaupt zu sehen, abzubilden und zu Papier zu bringen.

 

 

Was suchen die Blicke in den Zeichnungen, Malereien, Fotografieren und Filmen? Ist es eine unbestimmte Sehnsucht, die sie antreibt, oder sind es wir, die Betrachter:innen, die Angeschauten? Der Workshop lud dazu ein, das Sehen und den Blick anhand von ausgewählten Kunstwerken selbst zu erkunden - in allen Facetten und über alle Medien hinweg.

 

Um die Kunst zu verstehen, mussten die Schüler:innen die dargestellten „Blicke“ verstehen. So lernten sie das Sehen und Gesehen-Werden anhand von ausgewählten Kunstwerken neu zu verstehen. Von lebensnahen Blicken in Fotografien bis hin zu abstrakt gezeichneten Mienen sollten den verschiedenen Darstellungen in der Ausstellung Namen gegeben werden. Die „Blicke“ konnten sowohl auffordernd als auch abweisend sein. Etwas zeigt sich und entzieht sich zugleich – so erzeugt das Gesehene und Sichtbare auch eine Spur des Abwesenden und Unsichtbaren.

 

 

Text: Emine Balta (Q2) und Frau Hilbrandt
Fotos: Frau Hilbrandt, Pressematerial des Museums

Copyrights: 1: Lucian Freud, Head of a Woman, 1988–1990, MGKSiegen, Sammlung Lambrecht-Schadeberg, © The Estate of Lucian Freud Bridgeman Images - 2: Andrea Robbins/Max Becher, aus der Serie „Black Cowboys“, 2009-2010, MGKSiegen, Sammlung Gegenwartskunst, © Andrea Robbins/Max Becher

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